Begleitdokument zur interaktiven Lerneinheit
Bevor wir irgendetwas berechnen können, müssen wir wissen, welcher Typ von Daten vorliegt. Der Datentyp legt fest, welche statistischen Operationen erlaubt sind.
Beispiele: Blutgruppe (A, B, AB, 0) · Augenfarbe · Lieblingsfarbe · Wohnort · Geschlecht
Erlaubte Operationen: Zählen der Häufigkeiten (absolute und relative Häufigkeiten)
Nicht erlaubt: Rangordnung, Berechnung von Mittelwert oder Median, Abstände
Beispiele: Schulnoten (1–6) · Bewertungsskalen (1–9) · T-Shirt-Grössen (S, M, L, XL) · Platzierungen
Erlaubte Operationen: Zählen, Rangordnung, Modalwert, Median
Nicht erlaubt: Differenzen bilden, Mittelwert (streng genommen)
Beispiele: Körpergrösse (cm) · Temperatur (°C) · Zeit (s) · Volumen (ml) · pH-Wert
Erlaubte Operationen: Alle – Zählen, Rangordnung, Median, Mittelwert, Standardabweichung, Verhältnisse
| Eigenschaft | Nominal | Ordinal | Metrisch |
|---|---|---|---|
| Kategorien benennbar | ✓ | ✓ | ✓ |
| Rangordnung möglich | ✗ | ✓ | ✓ |
| Abstände gleich gross | ✗ | ✗ | ✓ |
| Rechnen erlaubt | ✗ | ✗ | ✓ |
| Modalwert erlaubt | ✓ | ✓ | ✓ |
| Median erlaubt | ✗ | ✓ | ✓ |
| Mittelwert erlaubt | ✗ | ✗* | ✓ |
| Standardabweichung erlaubt | ✗ | ✗* | ✓ |
* In der Forschungspraxis wird bei Likert-Skalen (z.B. 1–7) oft trotzdem Mittelwert und SD berechnet und angegeben. Dies ist diskutiert und sollte im Methodenteil erwähnt werden.
Lageparameter (auch: Lagemasse) sind Kennzahlen, die die «Lage» oder «Mitte» einer Datenmenge beschreiben. Sie fassen viele Zahlen zu einer einzigen zusammen.
Vorteile: Kein Rechnen nötig, funktioniert bei allen Datentypen (auch nominal), nicht empfindlich gegenüber Ausreissern.
Nachteile: Es kann mehrere Modi geben (bimodale Verteilung). Sagt nichts über andere Werte aus.
Berechnung bei ungerader Anzahl n:
Berechnung bei gerader Anzahl n: Durchschnitt der beiden mittleren Werte:
Stärke: Der Median ist robust gegenüber Ausreissern. Ein extrem grosser oder kleiner Wert verändert den Median kaum.
In Excel: =MEDIAN(Bereich)
Stärke: Nutzt alle Informationen im Datensatz, mathematisch genau definiert, Grundlage für viele statistische Tests.
Schwäche: Empfindlich gegenüber Ausreissern – ein extrem hoher oder tiefer Wert zieht den Mittelwert stark in seine Richtung (Bill-Gates-Effekt).
In Excel: =AVERAGE(Bereich)
| Datentyp | Empfohlener Lageparameter | Begründung |
|---|---|---|
| Nominal | Modalwert | Einzige sinnvolle Option |
| Ordinal | Modalwert, Median | Keine echten Abstände → Mittelwert problematisch |
| Metrisch ohne Ausreisser | Mittelwert | Nutzt alle Informationen |
| Metrisch mit Ausreissern | Median | Robust gegenüber Extremwerten |
Streumasse (auch: Dispersionsmasse) beschreiben, wie weit die Werte eines Datensatzes verteilt (gestreut) sind. Zwei Datensätze können denselben Mittelwert haben, sich aber in ihrer Streuung stark unterscheiden.
Berechnung (Stichprobe):
Man teilt durch (n − 1) statt n, weil wir eine Stichprobe analysieren (sog. Bessel'sche Korrektur). In Excel: =STDEV(Bereich)
Berechnung Schritt für Schritt (Datensatz: 2, 4, 6, 6, 8, 8, 8; x̄ = 6):
| Wert (x) | x − x̄ | (x − x̄)² |
|---|---|---|
| 2 | −4 | 16 |
| 4 | −2 | 4 |
| 6 | 0 | 0 |
| 6 | 0 | 0 |
| 8 | +2 | 4 |
| 8 | +2 | 4 |
| 8 | +2 | 4 |
| Summe der Quadrate | 32 |
Varianz = 32 / (7−1) = 5.33 → SD = √5.33 ≈ 2.31
Die Varianz wird seltener direkt interpretiert (andere Masseinheit: Einheit²). Sie ist mathematisch wichtig als Grundlage für viele Berechnungen. In Excel: =VAR(Bereich)
Quartile:
IQR (Interquartilsabstand): IQR = Q3 − Q1. Gibt die Breite der mittleren 50% der Daten an.
Ausreisser-Definition: Werte < Q1 − 1.5 × IQR oder > Q3 + 1.5 × IQR gelten als statistische Ausreisser und werden im Boxplot als separate Punkte dargestellt.
In Excel: =QUARTILE(Bereich; 1) für Q1, =QUARTILE(Bereich; 3) für Q3
Sie wird vollständig durch zwei Parameter beschrieben: Mittelwert (μ) und Standardabweichung (σ).
Bei einer Normalverteilung gilt:
| Verteilungstyp | Merkmal | Relation |
|---|---|---|
| Linksschief (negativ schief) | Langer Schweif nach links; Gipfel rechts | Median > Mittelwert |
| Symmetrisch (normalverteilt) | Gleichmässige Glocke | Median ≈ Mittelwert |
| Rechtsschief (positiv schief) | Langer Schweif nach rechts; Gipfel links | Median < Mittelwert |
| Bimodal (zweigipfelig) | Zwei Häufungspunkte | Oft zwei vermischte Populationen |
Bevor ein parametrischer Test (wie der t-Test) angewendet wird, muss geprüft werden, ob die Daten normalverteilt sind.
Der Shapiro-Wilk-Test prüft die Nullhypothese H₀: «Die Daten stammen aus einer normalverteilten Grundgesamtheit.»
| p-Wert | Interpretation | Konsequenz |
|---|---|---|
| p ≥ 0.05 | H₀ wird nicht abgelehnt → Normalverteilung annehmbar | Parametrische Tests erlaubt (z.B. t-Test) |
| p < 0.05 | H₀ wird abgelehnt → signifikante Abweichung von der Normalverteilung | Nicht-parametrische Tests verwenden (z.B. Mann-Whitney) |
In R: shapiro.test(x) · In Python: scipy.stats.shapiro(x) · In Excel: Nicht eingebaut → Histogramm als visuelle Prüfung
| p-Wert | Interpretation | Entscheidung |
|---|---|---|
| p ≥ 0.05 | Der Unterschied könnte gut durch Zufall entstanden sein | H₀ wird nicht abgelehnt → kein signifikanter Unterschied |
| p < 0.05 | Ein solcher Unterschied ist durch Zufall sehr unwahrscheinlich (<5%) | H₀ wird abgelehnt → signifikanter Unterschied |
| p < 0.01 | Noch unwahrscheinlicher (<1%) | Hochsignifikanter Unterschied |
| p < 0.001 | Extrem unwahrscheinlich (<0.1%) | Höchstsignifikanter Unterschied |
Fragestellung: «Unterscheiden sich die Mittelwerte zweier Gruppen signifikant?»
Je grösser |t|, desto unwahrscheinlicher ist H₀. Der zugehörige p-Wert wird anhand der t-Verteilung mit (n₁ + n₂ − 2) Freiheitsgraden berechnet.
In Excel: =T.TEST(Bereich1; Bereich2; 2; 2) (zweiseitig, zwei unabhängige Stichproben)
Fragestellung: «Kommen die Werte einer Gruppe systematisch aus einem höheren/niedrigeren Bereich als die der anderen?»
Vorgehen: Alle Werte beider Gruppen werden gemeinsam in Ränge (1, 2, 3, …) gebracht. Dann wird geprüft, ob eine Gruppe systematisch höhere Ränge hat.
Vorteil: Nicht-parametrisch – keine Normalverteilungsannahme. Robust gegenüber Ausreissern.
In R: wilcox.test(x, y) · In Python: scipy.stats.mannwhitneyu(x, y)
Fragestellung: «Gibt es einen statistischen Zusammenhang zwischen zwei nominalen Variablen?»
In Excel: =CHIQU.TEST(Beobachtungsbereich; Erwartungsbereich)
| Situation | Test |
|---|---|
| 2 Gruppen, metrische Daten, normalverteilt | t-Test (Zwei-Stichproben) |
| 2 Gruppen, ordinale Daten | Mann-Whitney U-Test |
| 2 Gruppen, metrische Daten, NICHT normalverteilt | Mann-Whitney U-Test |
| Häufigkeiten in nominalen Kategorien vergleichen | Chi²-Test |
| 3+ Gruppen, metrisch, normalverteilt | ANOVA (nicht in diesem Kurs) |
Ein statistischer Test mit p < 0.05 sagt: «Es gibt wahrscheinlich einen Unterschied.» Das Vertrauensintervall (Konfidenzintervall, KI) beantwortet die ergänzende Frage: «Wie gross ist dieser Unterschied – und in welchem Bereich liegt der wahre Wert?»
| Symbol | Bedeutung |
|---|---|
| x̄ | Stichprobenmittelwert |
| 1.96 | Z-Wert für 95% Konfidenz (aus der Standardnormalverteilung) |
| s | Stichprobenstandardabweichung |
| n | Stichprobengrösse |
| s / √n | Standardfehler des Mittelwerts (SEM) |
Für andere Konfidenzniveaus: 90% → 1.645 · SE; 99% → 2.576 · SE
| Grösse | Formel | Excel |
|---|---|---|
| Mittelwert | x̄ = Σxᵢ / n | =AVERAGE() |
| Median | Mittlerer sortierter Wert | =MEDIAN() |
| Modalwert | Häufigster Wert | =MODE() |
| Varianz (Stichprobe) | s² = Σ(xᵢ−x̄)² / (n−1) | =VAR() |
| Standardabweichung | s = √s² | =STDEV() |
| IQR | Q3 − Q1 | =QUARTILE(;3)−QUARTILE(;1) |
| Standardfehler | SE = s / √n | =STDEV()/SQRT(COUNT()) |
| 95%-KI Untergrenze | x̄ − 1.96 · SE | =AVERAGE()−1.96*SE |
| 95%-KI Obergrenze | x̄ + 1.96 · SE | =AVERAGE()+1.96*SE |
| t-Test (2 Gruppen) | t = (x̄₁−x̄₂) / √(s₁²/n₁+s₂²/n₂) | =T.TEST(;; 2; 2) |
| Chi²-Test | χ² = Σ[(O−E)²/E] | =CHIQU.TEST() |